Station: Alt- und Totholz - voller Leben

Entlang des Pfades wurden mehrere Altbäume gefällt, bzw. in einigen Metern Höhe mit Maschineneinsatz gebrochen. So konnte die Situation etwa nach einem Sturmwurf simuliert werden. 

Anders als im Wirtschaftswald, wo solches Material weitgehend aufgearbeitet und verwertet wird, bleibt es nun liegen und kann sukzessive von Totholzbewohnern (Bakterien, Pilzen, Insekten, etc.) besiedelt und letztendlich zersetzt werden.
Im Abstand einiger Jahre werden weitere Bäume gefällt, um unterschiedliche Zersetzungsstadien zu zeigen. Aus Sicherheitsgründen ist es nicht möglich abgestorbene Bäume als Ganzes stehen zu lassen.

Eine Infotafel erläutert die komplexen Zusammenhänge, um bei den Waldbesuchern dafür Verständnis zu wecken, dass es sinnvoll ist, gelegentlich Holz im Wald verrotten zu lassen: Totholz ist Lebensraum für viele, z.T. sehr seltene, Insektenarten (z.B. Hirschkäfer, Heldbock).

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{tab=Hintergrundwissen}

Biologische Vielfalt durch Totholz - Zeitgeist oder Notwendigkeit ?

von Prof. Dr. Volker Zahner

Strukturen im Wald bilden wichtige Nischen für Tier- und Pflanzenarten. Eine besondere Bedeutung hat hier das Totholz: Von A wie Ameisenbuntkäfer bis Z wie Zunderschwamm reicht die umfangreiche Namensliste von Waldarten, die davon oder darin leben.

Totholz im Kreislauf

Während die jährliche Biomasseproduktion der Krautschicht eines Buchenwaldes bei nur 0,5 Tonnen liegt, entfällt die größte Menge auf Holz (6,5 Tonnen) und Blätter (10 Tonnen). Aber gerade Holz und Laub sind besonders schwer abzubauen.

Insekten

Auf absterbendes und totes Holz haben sich zahlreiche Insektenarten spezialisiert. Sie beschleunigen die Zersetzung in dem sie das Holz mechanisch aufschließen und verdauen. Ein Abbau nur mit Pilzen und Bakterien, aber ohne Insekten würde daher doppelt solange dauern (ZARIC 1995). Dieser natürliche Abbau führt dem Boden Huminstoffe zu und erhöht die Bodenfruchtbarkeit.

Am und im Stamm leben in jeder Phase der Holzzersetzung charakteristische holzabbauende und totholzbewohnende Insekten (Abb. 1). Besondere Bedeutung haben dabei die Käfer, die mit rund 1350 Arten die größte Gruppe stellen. Borkenkäfer, Prachtkäfer und Bockkäfer sind Pioniere, die sich in kränkelnde Stämme bohren. Sie verfügen über massive Mundwerkzeuge und öffnen Pilzen den Zugang zum Holzkörper. Die Arten dieser frühen Entwicklungsphase sind weit verbreitet und eng an ihren jeweiligen Wirtsbaum gebunden. Ihnen folgen ihre Räuber, wie z.B. Ameisenbuntkäfer, die mit ihren extrem flachen Körpern ebenfalls an das Leben im Holz und in Gangsystemen angepasst sind. Mit fortschreitender Zersetzung wandelt sich das Artenspektrum. Zahlreiche Arten, die von Pilzmycelien oder von -fruchtkörpern leben, stellen sich ein. So gibt es Pilzmücken, die sich nur an den Lamellen frischer Blätterpilze entwickeln können, während manche Käferarten nur an harten Baumschwämmen auftreten, die bereits über Jahre am Stamm anhaften.Die Baumart verliert mit zunehmendem Alter des Totholzes an Bedeutung, und die Milieubedingungen wie Feuchtigkeit, Wärme und Zersetzungsgrad werden wichtiger (RAUH 1993). Eichenbock, Hirschkäfer und Klopfkäfer können jetzt auftreten. In der sich anschließenden Mulmphase folgen Palpenkäfer, Fliegenlarven und Schimmelkäfer. Mit dem Bodenkontakt des liegenden Stammes werden die typischen Holzbesiedler langsam verdrängt, und erste Bodentiere wie Asseln, Milben, Schnecken und schließlich Regenwürmer stellen sich ein (ZARIC 1995).

In vergreisenden und langsam absterbenden Bäumen entsteht am Stamm eine Vielzahl unterschiedlichster Nischen und Lebensräume. Besonnte warm-trockene Bereiche in der Krone sind Lebensräume des sonnenliebenden Prachtkäfers. Ausgefaulte Hohlräume mit feuchtem Mulm werden zeitgleich vom Juchtenkäfer besiedelt, während auf der Südseite des gleichen Buchenstammes beispielsweise der Schwammkäfer lebt (DETSCH et al. 1994).

totholz

In den Ausfluglöchern von Prachtkäfern und Holzwespen finden u.a. Mörtelbienen und Grabwespen Brat- und Überwinterungsmöglichkeiten. Überhaupt ist der überwiegende Teil der 1.000 Wespen- und Bienenarten auf Alt- und Totholzstrukturen angewiesen (BRECHTEL 1991). Auch unsere größte heimische Faltenwespe, die Hornisse, benötigt in den verschiedenen Lebensphasen Totholz. So überwintert die Königin im weichen Mulm oder unter loser Baumrinde, in Baumhöhlen legt sie ihre papierartigen Nester an, die aus abgeschabten Holzpartikeln abgestorbener Bäume entstehen. Insekten, die aus dem Totholz schlüpfen, dienen ihr wiederum als Beute. Die hochspezialisierte Holzbiene ebenso wie die Pelzbiene nagen dagegen ihr Nest aktiv in morsches Holz.

Vögel

Holzbewohnende Insekten bilden die Hauptnahrungsbasis für stammabsuchende Vogelarten wie Spechte, Baumläufer oder Kleiber. Stehendes Totholz ist besonders attraktiv für die Buntspechtgruppe (Kleinspecht, Mittelspecht, Weißrückenspecht, Buntspecht) und den Dreizehenspecht. Liegendes Totholz wird bevorzugt von den Erdspechten (Grau- und Grünspecht) angenommen. Der Schwarzspecht nutzt beides intensiv. Ständig auf Totholz angewiesen sind Weißrückenspecht, Dreizehenspecht und Grauspecht. Der Kleinspecht benötigt Weichlaubdürrlinge, da er im Winter mit seinem schwachen Schnabel nur im morschen Holz Insekten findet. Singvogelarten, wie die Weidenmeise oder die Sumpfmeise legen ihre Höhlen im anbrüchigen Weichlaubholz an, da sie aus Spechthöhlen von konkurrenzkräftigeren Arten vertrieben würden.

Die größte Bedeutung für diese Gruppe hat wipfelgebrochenes, stehendes Laubtotholz (UTSCHICK 1991). Diese Strünke bilden Ansitz- und Singwarten, Jagdbiotope, Brutbäume und Resonanzboden für das Trommeln der Spechte. Dabei hat auch das Totholz wesentliche Bedeutung für die Waldstruktur und als Nahrungsraum. Hier ist es vor allem der Lichtschachteffekt, der Insekten anlockt, die wiederum Vögeln Nahrung bieten. Die Bedeutung des starken Totholzes als Höhlenbaum tritt mengenmäßig gegenüber den vitalen Bäumen etwas zurück. Selbst in totholzreichen Naturwaldreservaten befinden sich 40 bis 60% der Höhlen in äußerlich gesunden Bäumen (UTSCHICK 1991).

UTSCHICK (1991) geht davon aus, dass mehr als 65% der Vogelarten in Mischwäldern auf Totholz deutlich reagieren. Untersuchungen zeigen, dass bei einem Anstieg des Totholzanteils von 1 auf 3% sich die Höhlenbrüterdichte verdoppelt. Rund ein Drittel aller Höhlen werden von Spechten in abgestorbenen Bäumen angelegt. Über 90% aller Höhlen sind dabei in Höhlenzentren zu finden. Daran sind zahlreiche Kolonienbrüter wie die Dohle, der Mauersegler oder die Hohltaube angepasst.

Kleinsäuger

Liegendes Totholz stellt für Kleinsäuger ein wesentliches Strukturelement am Waldboden dar. Es bietet Deckung und Schutz, liegende Stämme sind bevorzugte Wechsel, Höhlungen dienen als Verstecke und Nahrungsdepots, Totholzinsekten sind eine bedeutende Eiweißquelle vor allem für Spitzmäuse, und Pilze bereichem den Speiseplan von echten Mäusen. Daneben besteht eine enge Wechselbeziehung zwischen Totholzreichtum, Mykorrhizapilzen der Waldbäume und Kleinsäugem. Verschiedene Mäusearten fressen die Fruchtkörper von Pilzen und scheiden über ihren Kot die Sporen aus, die dadurch erst keimfähig werden (BÄUMLER, mdl. Mitt.). Damit tragen sie zu deren Verbreitung bei, was wiederum von großer Bedeutung für die Symbiose zwischen Baum und Pilz ist. Vor allem die flinken, Omnivoren Waldmäuse bevorzugen Flächen mit starkem Totholz, während die kurzbeinigen Rötelmäuse auf schwächeres Totholz und Sträucher positiv reagieren (SUTTER U. SCHIELLY 1998). Mäuse wiederum stellen die wichtigste Nahrungsgrundlage für die überwiegende Zahl der heimischen Beutegreifer dar, egal ob Vögel oder Säuger.

Ein solcher Vertreter ist der Baummarder, für den Strukturreichtum am Waldboden einen wesentlichen Faktor darstellt. Bei hohen Schneelagen findet zwischen dem Totholz seine Hauptjagdaktivität statt, und bei tiefen Temperaturen verlagert er seinen Schlafplatz von einem Baumnest in eine vom Schnee bedeckte Totholzhöhle.

Auch die Hälfte aller heimischen Fledermäuse sucht regelmäßig solche Baumhöhlen auf. Während unsere größte heimische Fledermausart, der Abendsegler, zu 85% in Spechthöhlen nachgewiesen wurde (ZARIC 1995), bevorzugen Mausohren Spalten und Faulhöhlen oftmals in abgestorbenen Stämmen.

Amphibien

Sieben von 19 einheimischen Amphibien-Arten haben ihre Laichgewässer bzw. ihren Sommerlebensraum im Wald. Liegendes Totholz ist für Feuersalamander, Erdkröten, Spring- und Grasfrosch, Berg-, Teich-, und Fadenmolch Winterquartier und teilweise feuchtes Tagesversteck. Daneben spielt Totholz auch als Jagdbiotop nach Käfern, Spinnen und Regenwürmem eine wichtige Rolle.

Pilze

Den größten Beitrag zur Holzzersetzung im Ökosystem Wald leisten Pilze, da sie in der Lage sind Lignin abzubauen und Cellulose aufzuschließen. Dabei leben über 1.500 Großpilzarten an Totholz. Bei Kartierungen in bayerischen Naturwaldreservaten waren bis zu 71% aller erfassten Pilzarten Holz- und Rindenbewohner (BLASCHKE & HELFER 1999). Gerade für diese Gruppe ist das Buchentotholz für die Arterhaltung besonders bedeutend. Ähnlich wie bei Insekten lässt sich auch hier eine Sukzession am Stamm beobachten. So tritt als erstes der Zunderschwamm auf, der an lebenden Stämmen, ebenso wie an bereits stark zersetztem Buchenholz zu finden ist. Ebenfalls in einer frühen Phase trifft man den Rotpustelpilz an, gefolgt vom Violetten Schichtpilz und der Schmetterlingstramete. Im Laufe des weiteren Holzabbaus treten der Flache Lackporling und der Brandkrustenpilz auf. Ein besonders auffälliger Rindenpilz an starkem Buchentotholz ist der filigrane Ästige Stachelbart. An weitgehend zersetztem Buchenholz findet man dagegen den Rehbraunen Dachpilz, die Vielgestaltige Holzkeule, die Stockschwämmchen und Schleimpilze. Je nach Höhenstufe am Baum, Feuchtigkeitsgehalt, Durchmesser des Totholzes und Exposition entwickeln sich andere Pilzgesellschaften.

Fazit

Für die Forstwirtschaft ist Totholz keine Notwendigkeit, da totes Holz nicht produktiv ist und gegebenenfalls Opportunitätskosten verursacht, während Bodenverbesserung, niedrige Dichte von Schadinsekten durch hohen Grundbestand an Räubern bzw. Parasiten und günstige Keimbetteigenschaften schwer monetär fassbar sind.

Für 25% aller Waldtierarten ist dagegen Totholz Lebensraum und überlebenswichtiges Strukturmerkmal. Dies ist eine unüberschaubare Fülle an Arten, Lebensweisen und Überlebensstrategien, die wir unmöglich alle kennen und berücksichtigen. Aber ihren Lebensraum, alte Bäume, absterbendes und totes Holz, können wir erhalten. Dahinter steht nicht die Vorstellung, leitbildlos eine möglichst hohe Artenvielfalt zu fördern, sondern typische Glieder der Lebensgemeinschaft Wald zu sichern. Im Rahmen einer naturnahen Forstwirtschaft dient dies dazu, die charakteristische biologische Vielfalt unserer Wälder zu erhalten, was neben den wichtigen Funktionen wie Holzerzeugung, Erholung und Trinkwasserschutz ein erklärtes Ziel der Staatsforstverwaltung ist. Somit ist Totholz im bewirtschafteten Wald Bestandteil einer multifunktionalen Forstwirtschaft und damit tatsächlich Notwendigkeit im Sinne einer ökologischen Nachhaltigkeit.

Literatur

BLASCHKE, M.; HELFER, W. (Im Druck): Buchenholz -Grundlage für filigrane Schönheiten. Beitrag der Naturwaldreservate zur Artenvielfalt bei Pilzen. AFZ/Der Wald Nr. 10

BRECHTEL, F. (1991): Zur Lebensweise und Bestandessituation holzbewohnender Wespenarten in Mitteleuropa und Konsequenzen für ihren Schutz. Seminarberichte H. 10, Naturschutzzentrum NWR Recklinghausen. S. 26-31

DETSCH, R.; KÖLBEL, M.; SCHULZ, U. (1994): Wenn's dem Förster mulmig wird: Totholz - vielseitiger Lebensraum in naturnahen Wäldern. AFZ/Der Wald 11,8.586-591

UTSCHICK, H. (1991): Beziehungen zwischen Totholzreichtum und Vogelwelt in Wirtschaftswäldern. Forstw. Cbl. 110, S. 135-148.

RAUH, J. (1993): Faunistisch-ökologische Bewertung von Naturwaldreservaten anhand repräsentativer Tiergruppen. Naturwaldreservate in Bayern. Schriftenreihe, Bd. 2, 199 S.

SCHERZINGER, W. (1996): Naturschutz im Wald. Ulmer. 447 S.

SUTER, W.; SCHIELLY, B. (1998): Liegendes Totholz: Ein wichtiges Strukturmerkmal für die Habitatqualität von Kleinsäugern und kleinen Carnivoren im Wald. Schweiz. Z. Forstwes. 10: S. 795-807.

ZAHNER, V. (Im Druck): Haben Waldvögel Bedeutung für die Forstwirtschaft? Vergleichende Brutvogelerfassungen in ausgewählten Naturwaldreservaten nach 20 Jahren. AFZ/Der Wald Nr. 10

ZARIC, N. (1995): Holzabbauende Insekten. Wichtige Rolle im Stoffkreislauf. Wald u. Holz Nr. l, S. 8-13

 

{tab=Spiele und Aktivitäten I}

Spielerische Darstellung des Lebensraumes Totholz

  • Absicht: Bedeutung von Totholz vermitteln
  • Art der Aktivität: spielerisch, demonstrativ
  • Teilnehmerzahl: bis 30 Personen
  • Teilnehmeralter: ab 6 Jahre
  • Zeit: ca. 20 Minuten
  • Material: Schnur und 10 Bilder mit Totholzbewohnern (s. u.)
  • Vorbereitung: Karten vorbereiten (Bilder ausschneiden und auf Karton kleben)
  • Äußere Bedingungen: -

Ablauf:

  • 10 freiwillige Mitspieler erhalten je eine Karte mit der Abbildung von jeweils einem der folgenden Totholzbewohner:
    • Schwarzspecht
    • Hohltaube
    • Buntspecht
    • Fledermaus
    • Sperlingskauz
    • Haselmaus
    • Hornissen
    • Baumschwamm
    • Hirschkäfer
    • Eichenbock
  • Die 10 Mitspieler bilden einen Kreis.
  • Ein weiterer Mitspieler, der die Eiche spielt, stellt sich in die Mitte des Kreises.
  • Dann beginnen Sie, mit der Schnur einen Stern zu knüpfen, der die Zusammenhänge im Lebensraum Totholz und die Bedeutung von Totholz im Wald darstellen soll.
  • Sie beginnen dabei bei der "toten" Eiche, die das Schnurende mit der Hand fest hält und spannen die Schnur dann zum ersten Mitspieler und wieder zurück zur Eiche. Anschließend wird die Schnur zum nächsten Mitspieler gespannt und wieder zurück zur Eiche gegeben (usw.).
  • Es wird folgende Reihenfolge vorgeschlagen:
    • An der alten Eiche klopft ein Schwarzspecht und meißelt sich in tagelanger Arbeit eine Höhle.
    • Die jungen Spechte sind flügge und verlassen die Höhle. Im nächsten Jahr zieht eine Hohltaube ein; sie kann selber keine Höhlen bauen und ist auf den Schwarz specht als Zimmermann angewiesen.
    • Beim Brüten wird die Hohltaube immer wieder von einem Buntspecht gestört, der ein paar Meter weiter oben einziehen möchte.
    • Verlassene Buntspechthöhlen werden gerne vom Sperlingskauz, von Fledermäusen oder von der Haselmaus bewohnt.
    • Auch Hornissen oder Bienen bauen in Spechthöhlen gerne ihre Wabennester.
    • Im Laufe der Jahre wird die Eiche immer morscher. Schichtpilze siedeln sich an und beginnen, das Holz zu zersetzen.
    • Jetzt fühlen sich der seltene Hirschkäfer und der Eichenbock besonders wohl, denn sie können in der verrottenden Eiche ihre Eier zur Fortpflanzung ablegen.
  • Zum Abschluss kann der entstehende Stern als Symbol für die Zusammenhänge und die Bedeutung von Totholz auf den Boden gelegt werden.
  • Zeit für Fragen und Diskussion am Ende des Spiels.

Vertiefungsmöglichkeiten

  • Zersetzung, Humus- und Bodenbildung, Bodenlebewesen, Nährstoffkreislauf
  • Totholz in der forstlichen Praxis, mögliche Gefahren (Verkehrssicherung).

Zusatzinformationen

  • Von den in Bayern vorkommenden Totholzkäfern stehen 60 % auf der Roten Liste; bei den Totholzpilzen sind etwa 25 % in ihrem Bestand gefährdet. Auch viele höhlenbrütende Vögel (Hohltauben, Dreizehenspecht, Weißrückenspecht, Sperlingskauz, Steinkauz, Rauhfußkauz, Mittelspecht) sind in ihrem Bestand gefährdet.
  • "Mit einer Kombination von verschieden großen Waldreservaten, in denen jede Nutzung ruht (Nationalparke, Naturwaldreservate und Waldnaturschutzgebiete) sowie einer naturnahen Forstwirtschaft auf der Gesamtfläche kann ein höherer Totholzanteil im Wald ermöglicht werden. Für den Wirtschaftswald erscheint eine langfristige Steigerung des Totholzanteils von derzeit 1 bis 3 fm/ha auf 5 bis 10 fm/ha (das sind 1 bis 2 % des Vorrates) möglich und vertretbar. Wichtig ist, dass dabei jeweils die Hälfte des toten Holzes in stehender Form und als Starkholz (mit Durchmessern über 20 cm) anfällt. Obwohl auch Fichtentotholz rund 300 Arten Lebensraum bietet, sind bei der Belassung von totem Fichtenholz im Bestand Forstschutzgesichtspunke (jahreszeitlicher Anfall) zu beachten. Auch Weichlaubhölzer als Mischbaumarten und nicht sanierte Alleen können zur Erhöhung des Totholzanteils beitragen. Für die Umsetzung ist wichtig, dass dem Waldbesucher die Bedeutung toten Holzes im Wald verständlich gemacht werden kann." (Ulrich Ammer).

Literaturhinweise

AMMER, U.; Forstwissenschaftliches Zentralblatt, Jahrgang 110, Heft 2, Paul Parey, München Mai 1991.

BAYER. STAATSMINISTERIUM FÜR ERNÄHRUNG, LANDWIRTSCHAFT UND FORSTEN; Broschüre und Faltblatt "Naturnahe Forstwirtschaft", München 1996.

BAYER. STAATSMINISTERIUM FÜR ERNÄHRUNG, LANDWIRTSCHAFT UND FORSTEN; Broschüre "Naturwaldreservate in Bayern", München 1993.

 

{tab=Spiele und Aktivitäten II}

Untersuchen von Totholz im Wald

  • Absicht: Bedeutung des Totholzes im Wald verdeutlichen
  • Art der Aktivität: spannend, anregend
  • Teilnehmerzahl: bis 5 - 20 Personen
  • Teilnehmeralter: ab 7 Jahre
  • Zeit: ca. 60 Minuten
  • Material: je Gruppe Becherlupe (Binokular), Pinzette, Taschenmesser, Filmdosen, Schalen
  • Vorbereitung: Suchen eines geeigneten Waldbestandes Anlage kopieren
  • Äußere Bedingungen: Von Frühjahr bis Herbst möglich, am besten trockenes Wetter

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Ablauf:

1. Suche nach Totholz:

  • Sie fordern die Gruppe auf, im Wald nach abgestorbenem Holz zu suchen. In Frage kommen Baumstümpfe, Baumstämme, Äste, Zweige u. a.
  • An Stellen, wo totes Holz vorgefunden wurde, nimmt sich die Gruppe Zeit zu verweilen. Es wird untersucht und gefragt, warum dieses Holz tot ist.
  • Eine Geschichte über das Ereignis wird ausgedacht. Realität und Fantasie können sich dabei vermischen. Es sind z. B. der Wind, der Schnee, der Blitz oder ein Tier, das den Baum zum Absterben gebracht hat.

2. Untersuchung der Teile:

  • Die Gruppe wird in Kleingruppen von 3 bis 4 Teilnehmern aufgeteilt.
  • Jede Kleingruppe erhält das für die Untersuchung notwendige Material.
  • Jede Gruppe nimmt sich ein Totholzteil vor und beginnt, es zu untersuchen.
    Folgende Untersuchungsschwerpunkte können nacheinander festgestellt werden:
    • Festigkeit
    • Farbe
    • Spuren (Fraß, Bearbeitung, Bewuchs)
    • Geruch

3. Sammeln und Untersuchen der im Totholz lebenden Bewohner:

  • Die Gruppe beginnt nun mit Hilfe von Pinzette und Messer die Totholzteile zu zerlegen und vorsichtig nach Bewohnern zu untersuchen. Die vorgefundenen Lebewesen werden in Becherlupen, Schalen und Dosen gesammelt, untersucht und bestimmt.
  • Dabei werden die Fundorte der Lebewesen auf einer selbstgezeichneten oder der beiliegenden Skizze vermerkt.

Hinweise:

  • Die vorgefundenen Lebewesen im Totholz müssen nicht exakt bestimmt werden. Es genügt Tiergruppen wie Käfer, Larven, Pilze usw. herauszuarbeiten.
  • Darauf hinweisen, dass die gefundenen Tiere unversehrt wieder in den Wald entlassen werden.

Vertiefungsmöglichkeit:

  • Totholz als Teil des geschlossenen Kreislaufs von Werden und Vergehen erkennen. Ausgehend vom Samen oder der Frucht eines Nadelbaumes folgt ein kleines Pflänzchen, dann ein großer Baum. Daran reiht sich ein frisch abgestorbenes und dann allmählich sich zersetzendes Holz bis zum fruchtbaren Humus. Der Kreis schließt sich wieder bei der Besiedelung dieses Waldbodens mit Pflanzen. Durch auslegen der einzelnen Stadien um einen Baum kann dieser Kreislauf verdeutlicht werden.

Literaturhinweis:

KNIRSCH, R.; Unsere Umwelt entdecken, Krüger Verlag, Frankfurt 1988

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{tab=Lehrtafeln}

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Lehrtafel als PDF downloaden

{tab=Gedicht}

Und wenn der Sturm im Walde braust und knarrt,
Die Riesenfichte stürzend Nachbaräste
Und Nachbarstämme quetschend niederstreift,
Und ihrem Fall dumpf hohl der Hügel donnert,
Dann führst du mich zur sichern Höhle, zeigst
Mich dann mir selbst, und meiner eignen Brust
Geheime tiefe Wunder öffnen sich.

J.W. v. Goethe (Faust I)

 

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